Freitag, 27. Januar 2012

Habemus Tamtam!

Die Welt schien verloren, die Hoffnung schwand, ach, es schien so aussichtslos, um nicht zu sagen; es war kein Land in Sicht, die Sonne schien nicht mehr aufzugehen, die Vögelein- na ja, ich denke, ihr wisst ungefähr, wie schlimm es schien.
Aber dann, wie aus dem nichts, oder dem nix, dem nada, niente, überraschte ich die Welt mit der frohen Kunde, die Aufnahmen für mein Album zu beginnen, und schlagartig schöpfte die Menschheit neue Hoffnung. Obwohl, angesichts des drohenden Weltunter-gangs, hätte mir diese schlaue Idee- ich geb’s zu- durchaus etwas früher in den Sinn kommen können. Nun ja, besser spät als nie, und wenn wiedererwarten die Welt Ende des Jahres doch nicht untergehen sollte, dann wissen wir ja auch alle warum, nicht wahr?

Es war dann also ein Sonntag, Anfang Januar in Gehrden, als Micha, Hervé, PJ und ich uns zum Konklave in Hervés Studio eingeschlossen haben, um zu tun, was die Welt von uns erwartete, während die selbige mit angehaltenem Atem verharrte. Vor dem Haus versammelten sich immer mehr und mehr Menschen, ihren Blick gebannt auf den Kamin gerichtet, in der Hoffnung, es würde bald weißer Rauch aufsteigen, statt dieser grünlich schimmernden, ekelhaft stinkenden, im schweiße unseres Angesichts um uns herum dünstende Rauchfahne, welche direkt aus dem Aufnahmeraum gen Himmel entfleuchte.
Die Stunden vergingen, war es doch schon der zweite Tag der Konklave, unterbrochen nur durch eine kurze Unterbrechung als der Pizzalieferdienst die Pizza lieferte. Leise kroch der Zweifel in die Gesichter der wartenden, auf ein gutes Zeichen hoffende Menschenmassen vor dem Studio, es regnete in Strömen, trotzdem kamen immer mehr, und noch mehr herbeigeeilt, es müssen an die Milliarden gewesen sein, vielleicht sogar Millionen, ich weiß es nicht mehr, ach, allein davon zu berichten, es erschöpft mich zu sehr, ich kann nicht mehr....
Doch nun, siehe da! Nach einer kleinen, stärkenden Beschwörung meines Orakels (in Form eines Grappa) kehrt meine Erinnerung, so klar wie ein Frühlingsmorgen zurück, es ist ein Wunder!

Wo waren wir? Ach ja, der Zweifel. Er kroch, wie schon angedeutet, leise in die Gesichter der Menschen, als es schon zu dunkeln begann, der Wind, der Regen an den Knochen nagte, während Micha klopfte und Hervé zupfte was das Zeug hielt, ich an meiner Gitarre kratzte und ins Mikro keifte, dass einem das Blut in Adern gefror, und PJ schweißgebadet alles dran setzte den Moment, also DEN Moment einzufangen, und aufs Band zu bringen - als!!!- der Rauch sich endlich zu einem weißen, zwar immer noch erbärmlich stinkenden, aber zweifellos weißen Rauch verfärbte, und Vadder PJ auf den Balkon treten konnte, um der orientierungslosen, und doch so hoffnungsvollen Menschheit die erlösenden Worte zu verkünden: “Habemus Tamtam!“(„Wir haben den Groove!“)
Freudetänze, Jubel, spontanes Sackhüpfen und Schuhplattlern, ach, was da alles los war, ja jaaaaah, ach ja! Ja, ja.
Also haben wir nun den Bass und das Schlaggerät auf Band, und nur einige Tage später rückte ich bei PJ im Studio an, um die, mit Abstand großartigsten, ja, um nicht zu sagen, die
das-gitarrenspiel-revolutionierenden Gitarrenspuren einzuspielen. Also, so was hat die Welt ja noch nicht gehört! Jedenfalls war das die weitläufigste Meinung der Leute, die es nicht mehr rechtzeitig geschafft haben, das Studio zu verlassen, bevor ich anfing. Und wenn das mal nicht Großes verheißt! Groooooßes, sag ich da nur, ja, ja.

Tja, es scheint einmal mehr an mir liegen, die Welt zu retten.
Na denn, sorgt euch nicht, ich arbeite dran. Ich freu mich schon auf das Akkordeon, den Bläsersatz und den Chor, die Mandoline und die Gartenschere und den Lockenwickler. Wie gesagt; Groooooßes!

Ciao!