Samstag, 5. November 2011

Guter Plan!

Wie soll ich es ihm bloss sagen? Er wird es nicht verstehen, kann er ja gar nicht, wie denn auch? Und wann? Wann soll ich es ihm am besten sagen? Wenn er gut drauf ist, auf dass sich seine Laune nicht so dramatisch verschlechtern kann? Oder wenn er sowieso schon genervt ist. Am besten von mir, dann weiss er gar nicht worüber er sich nun mehr ärgern soll, dann kommt er vielleicht durcheinander, und in diesem Durcheinander liegt vielleicht meine Chance. Oder bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion? Ja, das ist gut! Dann schmiere ich mir schwarze Farbe ins Gesicht, und stell mich neben sein Bett und rufe es in die Nacht hinein: “Vater! Oder Mutter, ich weiss es nicht so genau, es ist dunkel und ich hab schwarze Farbe im Gesicht, die läuft mir in die Augen und das brennt, deswegen muss ich mich beeilen, wo war ich? Ach ja, ich will Deine, von Deiner eigenen Hände Arbeit erschaffenen Wanderzottelmanufaktur nicht übernehmen, ich weiss, Du hattest es so geplant, aber ich habe andere Pläne mit meinem Leben! Nun geh ich aber wieder ins Bett, besten Dank für die Aufmerksamekeit, gute Nacht!“

Ach, hat man es nicht schwer, all die Erwartungen deren Menschen zu erfüllen, die man selber gar ist? Nun ja, also meistens ist man ja sowieso nur Einer- also all die anderen Menschen, die man nicht ist, ist man ja von vornherein nicht...ach, ihr wisst schon.
Man kommt so nichtsahnend auf die Welt und zack! –schon geht’s los: „Das wird alles Dir gehören!“ - „Was denn?“ - „Wie?“ - „Was?“ - „Wie was?“ – „Was? Wie?“ – „Was?“ – „Hä?“ nun ja, Vater-Sohn-Gespräche, ihr kennt da ja sicher.

Kinder oder Tiere, den Erwartungen und Träume der Eltern, oder Frauchen und Herrchen ausgesetzt, welche diese sich niemals selber erfüllen können. Das erinnert mich wieder an diese zahllosen Hundeausstellungen an die meine Eltern mich immer mitschleppten. Und da wir keinen Hund hatten, wurde ich kurzerhand zum Familien- und Austellungshund erkoren. Ich habe zwar nie etwas gewonnen, gegen den Pudel und die Kampfdogge hatte ich nun mal keine Chance, doch meine Eltern gaben nicht auf. Die Enttäuschung über mein Versagen versteckten sie unter guten Zureden. Ich wäre halt als Hund nicht so gut, aber sie würden mich trotzdem lieben, warfen mir einen Knochen irgendwo hin (ich hab nie danach gesucht) und tätschelten meinen Kopf. Ja, welch schöne Kindheitstage!
Um davon wegzukommen, braucht man einen guten Plan. Wie der mit der schwarzen Farbe im Gesicht, das klingt nach einem guten Plan. Oder etwa nicht?
Ein Plan übrigens, liebe Freunde des kaukasichen Hüpfhuhns, empfiehlt sich stets zu haben, man braucht ihn beispielsweise, um davon abweichen zu können. Man stelle sich nur vor, man möchte abweichen, und hat kein Plan! Wovon denn?
Ob ich einen habe? Einen Plan? Immer! Unmengen habe ich, ich weiss überhaupt gar nicht mehr, zu was, welcher Plan gehört, geschweige denn, ob es sich um einen Plan für einen Plan handelt, oder doch schon um den Plan als Solches, ihr seht, man kommt schnell durcheinander, ob mit, oder ohne Plan.
Auch Nereus hat einen Plan. Nereus ist ein U-Boot, welches zum tiefsten Punkt der Erde, dem Mariannengraben tauchen soll, und dabei seine Befehle von seinem Mutterschiff Kilo Moana, über ein 40 Kilometer langes Glasfaserkabel empfängt. Die Wissenschaftler und Techniker jubeln und sind ganz aufgeregt und hibbelig. Doch fragt sich niemand, ob Nereus das überhaupt gefällt, da unten in mehr als 10'000 Metern Tiefe im Sand rum zu kratzen? Falls sich das Kabel verheddern, zerreißen, oder von einem größeren Fisch zerbissen werden sollte, sei Nereus „intelligent genug, um zu merken, wann die Verbindung zum Mutterschiff abgerissen ist.“ Das ist ja schon mal gut zu wissen. Dann nämlich, starte er Plan B und kehre selbständig zur Oberfläche zurück.
Oder!!! Er startet seinen geheimen Plan C, und wandert selbständig nach Australien aus, seinen langersehnten Traum zu verwirklichen, und Surflehrer zu werden. Oder Känguruhfarmer. Nur so, falls er abweichen müsste.

Ja Honk!