Heute muss ich, denn endlich finde ich die Zeit dazu, etwas schreiben, was mir auf der "Schweizer-Seele" liegt. Es ist ja grade ganz schön hart, so als Eidgenosse.
Erst werden wir, mir-nichts-dir-nichts, von Herrn Steinbrück auf die Liste der Schurkenstaaten gesetzt, und dann hat, ihr werdet's vielleicht gehört haben, der gute Herr Gaddafi die lustige Idee gehabt, die Schweiz aufzulösen, und sie unter "ihren ursprünglichen Ländern zu verteilen".
Das mit dem Schurkenstaat ist ja für die Schweizer schon ziemlich aufregend. Wer hätte das gedacht? Die Schweiz ein Volk von Schurken, ja sogar Piraten? Das geht doch runter wie Öl, oder etwa nicht? Sind es nicht die Schurken, die immer die schönsten Frauen abkriegen? "Sie mögen mich weil ich ein Schurke bin!", sagte doch schon Han Solo zu der Prinzessin. Zwar sagte sie darauf:"Au cointreux, ich mag nette Männer!" Doch das kann sie unmöglich ernst gemeint haben.
Somit können wir Herrn Steinbrück also durchaus dankbar sein, so begehrt und gefürchtet wie wir jetzt sind, werden sich die schönste Frauen nach uns Schweizern sehnen. Aber- war das nicht schon immer so?
Der Einfall von Herr Gaddafi, unser hügeliges Land unter seinen Ursprungsländer zu verteilen kommt da wie gerufen. Weiss er denn nicht, wie gefährlich wir sind? So als Schurken? Und überhaupt- ursprüngliche Länder? Was sind denn unsere ursprünglichen Länder? Ich dachte immer, wir stammten ausnahmslos vom Kanton Uri ab? Obwohl unser
Temprament eher etwas südlicher anmutet. Heisst es nicht immer, wir Schweizer wären die Brasilianer Europas?
Jedenfalls dürfte den Eidgenossen dieser Welt kollektiv der Brotklumpen vom Fondue im Halse stecken geblieben sein, und man fragte sich, ob man den Nabel der Welt denn einfach so auflösen könne? Aber wir bleiben auch in solchen heiklen Momenten gelassen, wie man es von uns kennt. Deshalb habe ich mich entschieden, erst einmal auf eine Nachricht vom Generalkonsulat in Hamurg zu warten, wann und wohin ich meinen Reisepass denn nun zu schicken habe, wenn es denn dann die Schweiz überhaupt nicht mehr gibt.
Abgesehen davon, kann ich Herr Gaddafi gut verstehen, sorgt er sich doch nur um seinen Sohn, der in Genf festgenommen wurde, nachdem er ein Hotelzimmer auseinander genommen hat. "Na und?" sagt Herr Gaddafi, das hätten diverse Rockstars doch auch schon getan. Und er hat Recht!
Also, vielleicht gibt's ja bald wieder etwas abzustimmen in der Schweiz. Die Frage würde dann etwa so klingen: "Wollen Sie der Initiative von Herrn Gaddafi, zur Auflösung von uns selbst und unsereVerteilung auf unsere ursprünglichen Länder zustimmen?"
Und wieder hätten wir eine grosse Verantwortung auf unseren Schultern zu tragen.
Ach, das Leben als Schweizer ist aber auch echt hart!
Cheers!