Montag, 30. April 2012

Wer ich bin?

Wir saßen beim Frühstück im Safran. „Es ist verrückt!“ sagte mein Freund A. aus H. zu mir. Ich dachte mir, dass das wohl jedem hin und wieder passiert. „Das passiert wohl jedem hin und wieder“, sagte ich, und ich war mir nicht ganz sicher, ob nun die Worte aus meinem Mund, oder die in meinen Gedanken schneller waren. „Ich zum Beispiel...“ „Nein, nicht so“, unterbrach er mich, „bei mir ist es anders!“ Er schrie mich gradezu an, fasste mit beiden Händen meinen Kragen und schüttelte mich, seine Augen weit aufgerissen, sah er immer wieder von rechts nach links, wieder zurück, hin und her und fauchte und grunzte. Die Leute guckten schon zu uns rüber, und so dachte ich, es wäre wohl das Beste, das selbe zu tun. Ich packte ihn ebenfalls am Kragen, schüttelte drauflos, drehte meinen Kopf grunzend und fauchend von rechts nach links, wieder zurück und hin und her, meine Augen weit aufgerissen, so ging das ein paar Minuten, wir beide grunzend und fauchend in mitten der Tische voller panischer Leute, die kreischend hinausliefen, mein Freund A. aus H. schrie immer wieder, wie verrückt es sei, worauf ich  „Ich weiß!“ und „Kann ich mir vorstellen!“ und „möchtest du auch noch eine Schale Café au lait“? schrie, was er wiederum mit „Nein!“ und  „Nein!“ und „Ja, ich nehm’ auch noch einen“ beantwortete.

Er hatte sich beruhigt, wir setzten uns wieder hin und erzählte mir diese ungeheuerliche Geschichte, viel entsetzlicher als ich mir je hätte vorstellen können. Es stellte sich nun nämlich heraus, dass A. aus H. ständig verwechselt wird. Und zwar nicht mit einer bestimmten Person. Nein, jedes mal in eine andere, völlig unbekannte. Ständig laufen irgendwelche Leute auf ihn zu, nehmen ihn in den Arm und teilen ihm voller Freude mit, wie schön es sei, dass sie sich endlich mal wieder über den Weg laufen, es sei doch schon so lange her, wie es ihm denn gehe, was Frau und Kinder so machen. Anfangs, meinte er, wäre das noch ganz lustig gewesen. Er hätte sich dann Geschichten einfallen lassen; Die Frau sei über alle Berge, die Kinder hätten sich allesamt einer Geschlechtsum-wandlung unterzogen, und solche Sachen. Aber mit der Zeit… er werde andauernd umarmt, getätschelt und in die Wange gekniffen. Und das von völlig fremden Personen. Die Sache habe ihn schon an den Rand einer Identitätskrise gebracht.
Ich dachte mir, schließlich werde er immer umarmt, die Leute freuen sich, ihn zu sehen. So gesehen, man müsste ihn sich als glücklichen Menschen vorstellen.
Weil ich zum Abschied noch etwas schlaues sagen wollte, sagte ich: „Tja...Mensch...ne?“ Und weil mir nicht mehr einfiel, habe ich ihn umarmt, getätschelt und in die Wange gekniffen.

Als ich dann auf den Bus wartete, habe ich weiter über seine Geschichte nachgedacht. Mir sagt man ja eine gewisse Ähnlichkeit mit Miley Cyrus nach. Jedenfalls an besseren Tagen. Ihrerseits. An weniger guten Tagen, ist eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem verstorbenen Kim Jong Il wohl nicht zu leugnen, vor allem wenn ich in meiner selbstgeschneiderten Weltherrscheruniform in der Stadt lustwandle und auf irgendwelche Dinge starre.
Doch, tragen wir nicht alle unsere Masken? Ist unser Erstreben denn nicht allen gleich, unser wahres ICH zu verbergen?
Ja, so ist es auch bei mir, wenn ich auf Dinge starre und lustwandle durch die Stadt in meiner Uniform – es ist doch nur eine Maske. Selbst wenn ich auf einer Bühne stehe (oder in meinem Fall ja sitze) und meine, ja ich sage es: rattengeile Gassenkracher schmettere, mit meiner, so betörend anmutiger, glockenhaften, samtweichen Stimme, den härtesten Stahl zu biegen ich damit im Stande bin – ja, auch das- alles nur eine Maske.
Denn mein wahres ICH verbirgt sich unter meinem Cape, wenn ich des nachts, im Schein des Mondes einsam durch die Strassen unserer Stadt fliege, über Häuser hinfort auf der Suche, Gutes zu tun, Schurken zu jagen, dem Verbrechen das Handwerk zu legen, die Welt von koboldartigen Bösewichten zu beschützen, auf dass die Menschen wieder angstfrei vor die Tür treten können, ohne von einer hinterhältigen alten Dame mit ihrer Handtasche erschlagen zu werden, geschweige denn sonstigen schauerlichen Gräueleien.
Denn: Was immer mir im Leben bevorsteht, ich werde nie diese Worte vergessen: 'Aus großer Kraft folgt große Verantwortung!' Dies ist meine Gabe, mein Fluch! Wer ich bin?
Ich bin Spider-Dod!"



Samstag, 31. März 2012

Und sonst?

Und sonst? – Ach ja,ne?- Ja, ja – Bei dir? – Ja auch, ja, ja – Ja, ne? – Ja, weißt ja – Sicher – Es ist wie’s ist – Da sagste was – Ja, ne? – Sicher – Ist ja so – Wie? – Na so, oder nicht? – Ja, sicher – Na siehste – Was? – Na dass. Dass es so ist – Ach so, ja, ja – Oder wie? – Sicher – Sicher was? – Was weiss ich? – Weiss ich doch nicht – Was? – Na, was du weißt – Nix – Na siehste – Was? – Kann ich doch nicht wissen – Ne, woher denn? – Woher was? – Woher sollst du denn das wissen? – Was wissen? – Na, nix – Woher soll ich denn nix wissen? – Was weiss ich? – Weiss ich doch nicht, woher denn? – Sag ich doch – Na, siehste – Sicher – Is’ auch gut so – Aber hallo – Ne? – Stell dir vor – Darf gar nicht dran denken – Nee du – Und ich sag’ noch – Ja – Ich sag’ noch – Ja, ja – Hätte ja auch mal jemand was sagen können – Tja – Aber nein – Nee – Nee, ne? – Nee – Hach ja – Ne? – Is’ ja auch egal jetzt – Ja, ja – Oder nich’? – Na sicher – Eben – Tja, nun – Hast ja Recht – Siehste – Geht doch – Na klar – Geht immer – Immer geht’s – Genau – Recht so – Nutz’ ja nix – Nee – Gar nix nutzt’s – Nee, nee du – Überhaupt nix nutzt es – Nee – Hach ja – Ja, ja – Ja, ne? – Sicher – Tja, und sonst? – Ja, nix sonst – Nee, ne? – Nee – Das denk’ ich auch – Siehste – Is’ so – Sicher – Wa? – Genau – Ach, was ich noch sagen wollte: Vielen Dank für das echt tolle Gespräch. Es hat mir sehr gut getan, das mal alles von der Seele zu reden – Aber gerne! Es freut mich, wenn ich dir helfen konnte. Ich fühl mich schon viel besser und weiss jetzt, dass ich nicht allein bin auf der Welt! – Mir geht’s genau so! Und morgen, lass uns wieder tun, was wir sonst immer tun! – Du meinst, über eine Wiese hüpfen und Blümelein pflücken, den Vögelchen beim Zwitschern lauschen? – Au ja, wie erquickend! – Und dann klettern wir auf einen Baum, von wo wir über die gaaaaanze Welt gucken können! – Wie betörend und unglaublich bukolisch! So sprich denn weiter, ich berausche mich an deinen Worten! – Und dann laben wir von dem süssen Nektar des jungen Frühlings – So rein und unschuldig! – So unschuldig und rein! – Ja, ne? – Sicher – Na, denn – Na, denn – Bis morgen, ne? – Jou – Hau rein – Du auch – Tschüss – Tschö.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Vergangenheitsbewältigung - die nächste!

Unlängst hab ich in der Zeitung von einem Flugzeug gelesen, dem nach einer Wartung 18 Schrauben fehlten, was eine Weile dauerte, ehe es jemandem auffiel. Während dieser Weile war das Flugzeug schon längst wieder in der Luft, mehrere male sogar, es flog und flog, und es flog. Ohne die Schrauben. Trotzdem! Das erinnert mich doch sehr stark an mein Mofa. Wenn man auf dem Dorf in der Schweiz aufwächst, hat man nämlich so ein Ding. Fahrradfahren (bei uns Velo fahren) macht in der Schweiz nämlich nicht immer so richtig Spaß, denn meistens scheint es bergauf zu gehen, was ja eigentlich nicht stimmen kann, denn wenn es nach oben geht, muss es ja irgendwann wieder nach unten gehen- wie im Leben halt. Doch dieses Gesetz scheint auf einem Velo in der Schweiz nicht zu gelten, jedenfalls hat man ständig das Gefühl, gegen einen Berg anzufahren. Was ja auch meistens stimmte... Wenn es dann mal endlich doch bergab ging, und man so richtig Fahrt aufgenommen, an der Freiheit geschnuppert, den Wind in den Haaren, die Sonne im Gesicht, weshalb man den Stein vor einem zwar nicht gesehen, sicher aber gespürt hat, in dem kurzen, sehr kurzen Moment in dem es ruckelte, ein schnelles „Na nu?“ durch den Kopf schoss, und man sich dermaßen auf die Schnauze legte, dass es knallte, schepperte und rummste als gäbe es kein Morgen. Der Teil der Dorfbevölkerung, der das Glück hatte, dieser Einlage beizuwohnen jauchzte und johlte vor Begeisterung, klatschte in die Hände und rief ein aufmunterndes „Letschtes mal hattescht Du aber eine bessere Körperhaltung und die Beine lagen auch nicht so krumm auf dem Boden! Nur weiter so, das wird schon, odder!“
Ja, die Stürze mit dem Velo waren legendär. Und montags ging in der Schule immer das große Narben und Prellungen vergleichen los, es wurde zelebriert, wie eine Siegerehrung.

Doch zurück zu meinem Mofa. Bei uns nennt man das Teil allerdings Töff. Jedenfalls hatte man dann später also so ein Töff, welcher eine geradezu atemberaubende Geschwindigkeit von sage-und-schreibe 33 km/h auf den Tacho brachte, also ziemlich nah an der Lichtgeschwindigkeit, und wir trotzdem fest davon überzeugt waren, dass da noch mehr gehen muss. Also hat man ihn komplett zerlegt, am Kolben gefeilt, am Motor geschraubt, am Auspuff gebohrt, immer und immer wieder. Und jedes mal, wenn man den Töff wieder zusammengebaut hat, hatte man ein paar Schrauben übrig. Keiner hatte auch nur die blasseste Ahnung, woher die waren, oder noch viel interessanter, wohin die sollten. Im Laufe der Zeit hatte mein Töff scheinbar immer weniger Schrauben. Aber er fuhr, ja er schoss geradezu durch die engen Gassen des Dorfes, rauchte und dampfte die ganze Strasse voll und knatterte mit so einem Höllenlärm als wäre er mit dem Teufel im Bunde.
Der Dorfpolizist, ich weiß noch seinen Namen ganz genau, ich nenne in mal Herr G., war scheinbar der selben Meinung, und hat es sich zu einer persönlichen Angelegenheit gemacht, die „Hellriders vom Üetliberg“ zu jagen, wie er nur konnte.
Ja, oh ja, was ich doch für ein Outlaw, ein Rebell, ein verruchter Typ, säte Angst und Schrecken im Dorf, von weitem schon zu hören auf meinem Feuerstuhl.

Heute fahr ich wieder Velo. Ist auch viel besser hier. Hier ist es flach, man muss also nicht immer irgendeinen Berg hoch fahren. Das knattern und Rauchen von meinem Töff vermisse ich allerdings schon ein bisschen. Deshalb hab ich mir auch ein Räucherstäbchen an den Lenker geschnallt und imitiere Motorengeräusche wenn ich durch die Stadt fahre. An die Blicke der Leute hab‘ ich mich gewöhnt, das war ja früher auch nicht anders. Wenn sie doch nur die Bilder in meinem Kopf auch sehen könnten, sie würden mich verstehen.

Salü!

Freitag, 27. Januar 2012

Habemus Tamtam!

Die Welt schien verloren, die Hoffnung schwand, ach, es schien so aussichtslos, um nicht zu sagen; es war kein Land in Sicht, die Sonne schien nicht mehr aufzugehen, die Vögelein- na ja, ich denke, ihr wisst ungefähr, wie schlimm es schien.
Aber dann, wie aus dem nichts, oder dem nix, dem nada, niente, überraschte ich die Welt mit der frohen Kunde, die Aufnahmen für mein Album zu beginnen, und schlagartig schöpfte die Menschheit neue Hoffnung. Obwohl, angesichts des drohenden Weltunter-gangs, hätte mir diese schlaue Idee- ich geb’s zu- durchaus etwas früher in den Sinn kommen können. Nun ja, besser spät als nie, und wenn wiedererwarten die Welt Ende des Jahres doch nicht untergehen sollte, dann wissen wir ja auch alle warum, nicht wahr?

Es war dann also ein Sonntag, Anfang Januar in Gehrden, als Micha, Hervé, PJ und ich uns zum Konklave in Hervés Studio eingeschlossen haben, um zu tun, was die Welt von uns erwartete, während die selbige mit angehaltenem Atem verharrte. Vor dem Haus versammelten sich immer mehr und mehr Menschen, ihren Blick gebannt auf den Kamin gerichtet, in der Hoffnung, es würde bald weißer Rauch aufsteigen, statt dieser grünlich schimmernden, ekelhaft stinkenden, im schweiße unseres Angesichts um uns herum dünstende Rauchfahne, welche direkt aus dem Aufnahmeraum gen Himmel entfleuchte.
Die Stunden vergingen, war es doch schon der zweite Tag der Konklave, unterbrochen nur durch eine kurze Unterbrechung als der Pizzalieferdienst die Pizza lieferte. Leise kroch der Zweifel in die Gesichter der wartenden, auf ein gutes Zeichen hoffende Menschenmassen vor dem Studio, es regnete in Strömen, trotzdem kamen immer mehr, und noch mehr herbeigeeilt, es müssen an die Milliarden gewesen sein, vielleicht sogar Millionen, ich weiß es nicht mehr, ach, allein davon zu berichten, es erschöpft mich zu sehr, ich kann nicht mehr....
Doch nun, siehe da! Nach einer kleinen, stärkenden Beschwörung meines Orakels (in Form eines Grappa) kehrt meine Erinnerung, so klar wie ein Frühlingsmorgen zurück, es ist ein Wunder!

Wo waren wir? Ach ja, der Zweifel. Er kroch, wie schon angedeutet, leise in die Gesichter der Menschen, als es schon zu dunkeln begann, der Wind, der Regen an den Knochen nagte, während Micha klopfte und Hervé zupfte was das Zeug hielt, ich an meiner Gitarre kratzte und ins Mikro keifte, dass einem das Blut in Adern gefror, und PJ schweißgebadet alles dran setzte den Moment, also DEN Moment einzufangen, und aufs Band zu bringen - als!!!- der Rauch sich endlich zu einem weißen, zwar immer noch erbärmlich stinkenden, aber zweifellos weißen Rauch verfärbte, und Vadder PJ auf den Balkon treten konnte, um der orientierungslosen, und doch so hoffnungsvollen Menschheit die erlösenden Worte zu verkünden: “Habemus Tamtam!“(„Wir haben den Groove!“)
Freudetänze, Jubel, spontanes Sackhüpfen und Schuhplattlern, ach, was da alles los war, ja jaaaaah, ach ja! Ja, ja.
Also haben wir nun den Bass und das Schlaggerät auf Band, und nur einige Tage später rückte ich bei PJ im Studio an, um die, mit Abstand großartigsten, ja, um nicht zu sagen, die
das-gitarrenspiel-revolutionierenden Gitarrenspuren einzuspielen. Also, so was hat die Welt ja noch nicht gehört! Jedenfalls war das die weitläufigste Meinung der Leute, die es nicht mehr rechtzeitig geschafft haben, das Studio zu verlassen, bevor ich anfing. Und wenn das mal nicht Großes verheißt! Groooooßes, sag ich da nur, ja, ja.

Tja, es scheint einmal mehr an mir liegen, die Welt zu retten.
Na denn, sorgt euch nicht, ich arbeite dran. Ich freu mich schon auf das Akkordeon, den Bläsersatz und den Chor, die Mandoline und die Gartenschere und den Lockenwickler. Wie gesagt; Groooooßes!

Ciao!

Samstag, 31. Dezember 2011

Im Wald

Jahaaaaa da bin ich wieder, euer fleischgewordene Satzgesang in seiner vollsten Tollkühnheit, so unerschrocken, furchtlos und schön wie eh und je, jawohl, das musste mal gesagt werden!

So kurz vor Jahresende lass ich es mir nicht nehmen, noch einmal meine gefürchteten Grosstaten philosophischer Weisheiten aus den hintersten und dunkelsten Windungen meines überaus genialen Gehirnes heraus zu scheuchen, um sie in die große, weite Welt zu posaunen, welche es ja so nötig hat, und mit angehaltenem Atem meiner Auswürfe erharrt! Recht so!
Also dann, liebe Freunde des nimmerendenden Frohgemuts, lasst uns das Jahr revue passieren, welch schöner Einfall meinerseits, und so überraschend in dieser Zeit des Jahres, ja wahrlich, welch eine Anwandlung an Erleuchtung!

So nun denn, es war mal wieder ein Jahr in dem sich die Ereignisse beinahe überschlagen haben, was haben wir wieder für Abenteuer überstanden, Seite an Seite, wir haben uns gefreut und gefürchtet, gelacht und geheult, gestunken und gelogen.. Na ja, wie auch immer, einst irrte ich durch das himalyische Hochgebirge auf der Suche nach Erleuchtung und Jaspa Sharpa, ich habe mich der Befragung des Orakels gestellt, eine Herausforderung welcher nur die tapfersten und mutigsten Helden gewachsen sind, ich verwandelte mich- und das mehrmals- in ein Wermops, erschuf einen Klon, der ein Konzert gespielt hat, wendete während meiner mehrmaligen Erdumrundung in meiner einmannbemannten Rakete eine Beinahkollision mit einem Meteoritenfeld ab, wurde in der von mir erfundenen Sportart des quasiastischen Stolperns als Champion aller Klassen gekürt (und zwar von mir selbst), ich katapultierte meine linke Hand, als einziger Mensch überhaupt, während des einzigen Gitarrensolos das ich kann, meine linke Hand also, beschleunigte ich glatt durch die Schallmauer, was mit einem lauten Knall begleitet wurde, und eine verdutzte und, ob meines Mutes geschockte Reaktion des Publikums heraufbeschwor, die sich dann aber schleunigst in eine enthusiastische Liebesbekundung des ebengesagten Publikums umschlug, welches mich anschliessend geschlossen heiraten wollte.
Ich zierte mich auch nicht, der Welt in schwierigen Stunden mit allweisheitlichem Rat zur Seite zu stehen, denn schließlich wird sie ja bald mir allein gehören, da schadet es nicht, sie schon mal auf den richtigen Pfad zu führen, und etwas Einsatz zu zeigen,
nicht wahr?
Von den ganzen Preisen und Auszeichnungen, Bambis und Dumbies, "Sexiest man alive" und den zahlreichen Nominierungen für Nobelpreise aller Art ganz zu schweigen, ach ich Dampfwalze des freigeistigen Scharfsinns und Mutter aller Kreativität!

Ja, es war ein eher ruhiges Jahr. Und deshalb fängt das Neue auch mit einem Paukenschlag an, jawohl!!
Geritten von meiner Gruseligkeit werde ich nämlich im Januar Michael Wolpers, Hervé Jeanne und Peter Jordan entführen und als Geiseln im Studio festhalten. Ich werde sie dazu zwingen meine Songs zu spielen, damit ich endlich, endlich mein grosses Werk vollenden kann, mein Album(Donnergeräusche)!
Und ich werde sie mit den ungeheuerlichsten aller Grausamkeiten bedrohen, mit selbstgeschriebenen Gedichten wie diesem hier nämlich:

Im Wald

Ein Uhu! – Juhuu!
Ein Reh! – Juhee!
Ein Gnu! – Nanu?

Ja, da könnt ihr mal sehen, zu welch scheuerlichen Taten ich fähig bin. Wer würde dabei nicht irgendwelche Töne von sich geben, geschweige denn das dringende Bedürfnis verspüren, auf irgendwas drauf zu klopfen?
Und davon hab’ ich noch eine ganze Kiste voll, ua ha ha ha ha ha haaaaaaa!
Da kommt was auf die Welt zu, im nächsten Jahr. Ich freu mich. Ihr euch doch auch?

Andale, andaleeeeeeeeeeeee!!!!

Samstag, 5. November 2011

Guter Plan!

Wie soll ich es ihm bloss sagen? Er wird es nicht verstehen, kann er ja gar nicht, wie denn auch? Und wann? Wann soll ich es ihm am besten sagen? Wenn er gut drauf ist, auf dass sich seine Laune nicht so dramatisch verschlechtern kann? Oder wenn er sowieso schon genervt ist. Am besten von mir, dann weiss er gar nicht worüber er sich nun mehr ärgern soll, dann kommt er vielleicht durcheinander, und in diesem Durcheinander liegt vielleicht meine Chance. Oder bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion? Ja, das ist gut! Dann schmiere ich mir schwarze Farbe ins Gesicht, und stell mich neben sein Bett und rufe es in die Nacht hinein: “Vater! Oder Mutter, ich weiss es nicht so genau, es ist dunkel und ich hab schwarze Farbe im Gesicht, die läuft mir in die Augen und das brennt, deswegen muss ich mich beeilen, wo war ich? Ach ja, ich will Deine, von Deiner eigenen Hände Arbeit erschaffenen Wanderzottelmanufaktur nicht übernehmen, ich weiss, Du hattest es so geplant, aber ich habe andere Pläne mit meinem Leben! Nun geh ich aber wieder ins Bett, besten Dank für die Aufmerksamekeit, gute Nacht!“

Ach, hat man es nicht schwer, all die Erwartungen deren Menschen zu erfüllen, die man selber gar ist? Nun ja, also meistens ist man ja sowieso nur Einer- also all die anderen Menschen, die man nicht ist, ist man ja von vornherein nicht...ach, ihr wisst schon.
Man kommt so nichtsahnend auf die Welt und zack! –schon geht’s los: „Das wird alles Dir gehören!“ - „Was denn?“ - „Wie?“ - „Was?“ - „Wie was?“ – „Was? Wie?“ – „Was?“ – „Hä?“ nun ja, Vater-Sohn-Gespräche, ihr kennt da ja sicher.

Kinder oder Tiere, den Erwartungen und Träume der Eltern, oder Frauchen und Herrchen ausgesetzt, welche diese sich niemals selber erfüllen können. Das erinnert mich wieder an diese zahllosen Hundeausstellungen an die meine Eltern mich immer mitschleppten. Und da wir keinen Hund hatten, wurde ich kurzerhand zum Familien- und Austellungshund erkoren. Ich habe zwar nie etwas gewonnen, gegen den Pudel und die Kampfdogge hatte ich nun mal keine Chance, doch meine Eltern gaben nicht auf. Die Enttäuschung über mein Versagen versteckten sie unter guten Zureden. Ich wäre halt als Hund nicht so gut, aber sie würden mich trotzdem lieben, warfen mir einen Knochen irgendwo hin (ich hab nie danach gesucht) und tätschelten meinen Kopf. Ja, welch schöne Kindheitstage!
Um davon wegzukommen, braucht man einen guten Plan. Wie der mit der schwarzen Farbe im Gesicht, das klingt nach einem guten Plan. Oder etwa nicht?
Ein Plan übrigens, liebe Freunde des kaukasichen Hüpfhuhns, empfiehlt sich stets zu haben, man braucht ihn beispielsweise, um davon abweichen zu können. Man stelle sich nur vor, man möchte abweichen, und hat kein Plan! Wovon denn?
Ob ich einen habe? Einen Plan? Immer! Unmengen habe ich, ich weiss überhaupt gar nicht mehr, zu was, welcher Plan gehört, geschweige denn, ob es sich um einen Plan für einen Plan handelt, oder doch schon um den Plan als Solches, ihr seht, man kommt schnell durcheinander, ob mit, oder ohne Plan.
Auch Nereus hat einen Plan. Nereus ist ein U-Boot, welches zum tiefsten Punkt der Erde, dem Mariannengraben tauchen soll, und dabei seine Befehle von seinem Mutterschiff Kilo Moana, über ein 40 Kilometer langes Glasfaserkabel empfängt. Die Wissenschaftler und Techniker jubeln und sind ganz aufgeregt und hibbelig. Doch fragt sich niemand, ob Nereus das überhaupt gefällt, da unten in mehr als 10'000 Metern Tiefe im Sand rum zu kratzen? Falls sich das Kabel verheddern, zerreißen, oder von einem größeren Fisch zerbissen werden sollte, sei Nereus „intelligent genug, um zu merken, wann die Verbindung zum Mutterschiff abgerissen ist.“ Das ist ja schon mal gut zu wissen. Dann nämlich, starte er Plan B und kehre selbständig zur Oberfläche zurück.
Oder!!! Er startet seinen geheimen Plan C, und wandert selbständig nach Australien aus, seinen langersehnten Traum zu verwirklichen, und Surflehrer zu werden. Oder Känguruhfarmer. Nur so, falls er abweichen müsste.

Ja Honk!

Dienstag, 18. Oktober 2011

Occupy! Uns selbst?

Es ist schon etwas ungewohnt, oder? Da gehen plötzlich Leute auf die Strasse um zu demonstrieren, es werden immer mehr und mehr, in immer mehr Städten der Welt, man sieht sie plötzlich in der Tagesschau oder liest davon in den Zeitungen.
Erst sind sie noch weit weg, am anderen Ende sozusagen, doch seit dem letzten Wochenende passiert es direkt vor unserer Tür, wir sind live dabei, wir können es spüren, wir spüren dass.... Ja, was eigentlich?
Ich muss gestehen, dass ich etwas irritiert bin. Nicht dass man mich falsch versteht, nicht irritiert deswegen, weil Leute auf die Strasse gehen, um sich Gehör zu verschaffen, nein, im Gegenteil. Mich irritieren eher die Hintergründe. Na ja, warum gehen die Leute auf die Strasse? Warum sind sie unzufrieden, ja sogar empört? Und warum erst jetzt?
Man hört, dass diese Unzufriedenheit ihren Ursprung in der Verlogenheit und Gier der Banken und der Banker habe, die auf dem Rücken der Bürger deren Geld verjubeln. So stand es ja auch auf diversen Schildern, „Ihr verjubelt unser Geld“ und Begriffe wie „Bangster“ oder „Class War“. Letzteres wohl bezogen auf den Unmut über die Ungerechtigkeit in der Finanzwelt, in der die Reichen immer reicher werden, und die Armen immer ärmer.
Es kommt mir ein bisschen so vor, als wäre das eine neue, gerade erst aufkommende Entwicklung, die uns alle überrascht. Dabei ist es doch vielmehr so, dass unser gesamtes System, die Art wie wir Leben und was wir für normal halten genau darauf basiert, oder etwa nicht? Warum also erst jetzt?

Vielleicht, weil wir die Ungerechtigkeit erst jetzt zu spüren kriegen, und zwar dadurch, dass unser Geld flöten geht? Wir dürfen nicht vergessen: Global gesehen sind wir die Reichen, wir sind die Banker, die auf dem Rücken der Armen immer wohlhabender und immer größer wurden.
Für uns ist es normal, alles zu bekommen, was wir wollen. Unser Interesse gilt dem Konsum, der alles was wir erschaffen, wofür unsere westliche Welt steht am Leben erhält. Wir können uns alles leisten, wir brauchen nur in unsere Shopping-malls zu gehen, es liegt alles da. Wenn es unser Fernseher nicht mehr bringt, pilgern wir einfach zu Media Markt und „holen“ uns einen neuen. „Kostet ja nix mehr, das Zeug!“ Wir erfreuen umso mehr einer gekauften Sache, je weniger wir dafür bezahlt haben, statt ihren Wert zu schätzen. So nimmt der Kreis seinen Lauf, wir wollen immer möglichst wenig für etwas geben und vergessen dabei jedoch, dass sich dieser Kreis irgendwann schließen wird, und wir den Effekt ebenfalls spüren. Dazu werden wir auch noch angehalten, mehr zu konsumieren, weil das unsere Wirtschaft stärkt, und es uns somit allen besser geht. Doch zu elchem Preis? Es würde doch niemand auf die Idee kommen, das alles zu hinterfragen, sich zu überlegen, ob unser Wohlstand vielleicht nicht doch darauf basiert, dass es irgendwo, an einem anderen Ort, anderen dafür schlechter geht.
Erst jetzt, wo der Bumerang zurück kommt.

Und nun? Die Suche nach einem Schuldigen war wieder mal kurz. Aber, machen es wir uns nicht zu leicht, in dem wir einfach die Banken an den Pranger stellen? Schließlich und sind sie auch nur ein ausführendes Organ eines Systems, welches unsere Gesellschaft für optimal empfunden hat. Jedenfalls, solange sie sich daran bereichern konnte.
Und natürlich sind die Rufe nach Gesetzen, nach Politikern, die etwas unternehmen, auch jetzt wieder sehr schnell, sehr laut geworden. Doch, brauchen wir Gesetze und Politiker, die uns sagen, was wir zu tun haben? Müssen wir nicht selber Verantwortung für unser Handeln übernehmen, statt sie immer wieder bei anderen zu suchen? Wir sollten doch durchaus in der Lage ist, unsere Umgebung wahrzunehmen und dementsprechend zu handeln. Vielleicht gelingt uns ja der Wahnsinnsakt, uns selbst kritischer zu beobachten. Wer weiß, vielleicht fällt uns ja noch so einiges auf.
Wenn wir also dieser Tage auf die Strassen gehen, oder uns mit Nachbarn darüber unterhalten, sollten wir nicht vergessen, wer wir sind.